Willkommen an die 110 neuen Smart Chiefs, die diesen Newsletter neuerdings lesen. Viel SpaรŸ!

Hello Smart Chiefs,

wรคhrend die Welt mehr und mehr auf KI setzt, explodiert das Analoge.

Diesen Satz habe ich gestern nach unserem Strategy- und OKR-Call realisiert und heute auf LinkedIn gepostet. Wir hatten eine Rechnung im Kopf, wie wir das kommende Jahr wirtschaftlich aufs nรคchste Level bringen. Vor KI war die Logik klar: Online Geld verdienen, Content skalieren, Reichweite bauen. Je automatisierter, desto besser.

Jetzt, wo aber wirklich jeder KI nutzen kann, zahlen Leute nicht mehr fรผr mehr Content. Sie zahlen fรผr Connection. Fรผr den Raum, den Tisch, das gemeinsame Offline-Format, das Gesprรคch ohne Kamera. Das Wertvollste, das wir unternehmerisch erschaffen, ist gleichzeitg das unskalierbarste. Das Smart Chiefs Retreat ist hundertmal mehr Aufwand als jeder Claude-Kurs, den wir bauen kรถnnten โ€“ und trotzdem das, wofรผr Menschen am bereitwilligsten Zeit, Geld und Energie investieren.

Rรผckblickend bin ich froh, dass wir vor zwei Jahren mit dem โ€žschwersten" Produkt angefangen haben. Echte Menschen รผber mehrere Tage in einem Raum zusammenzubringen โ€“ und eine Energie zu kreieren, die รผber Monate und Jahre Verbindungen herstellt โ€“ das ist Kรถnigsklasse.

Aus diesem inzwischen vierten Retreat im Stanglwirt kommen wir gerade. Und ich, wie alle anderen Teilnehmenden, beschreiben den Zustand eine Woche danach in persรถnlichen Telefonaten oder WhatsApp-Nachrichten โ€œals ob wir noch landen mรผssen in der Realitรคt.โ€ Es war wie ein Rausch. Deshalb ist die Richtung ist fรผr mich klar: Human Connection in the World of AI.

Und diese Woche hat mir jemand anderes genau diesen Gedanken zurรผckgespiegelt. Mit einer Prรคzision, die ich so noch nicht gehรถrt hatte.

Heute im Smart Chiefs Newsletter:

  • Was ein Professor รผber zwei vรถllig unterschiedliche Architekturen von KI sagte โ€“ und warum die meisten Unternehmen die falsche bauen.

  • Top 5 Links + Fragen, die wir uns vorher nie gestellt haben.

  • Konkrete Reflektionsfragen fรผr dich als Leader.

Der Mann, der mir die Sprache fรผr mein eigenes Bauchgefรผhl gab

Heute Morgen war ich beim Google AI Center Berlin, gemeinsam veranstaltet mit LSE Generate (Entrepreneurship an der London School of Economics). Auf der Bรผhne: Youngjin Yoo, Professor an der LSE, Academic Director von LSE Lifelong Learning Digital und Berater von Unternehmen wie Samsung, LG und Goodyear. Sein Talk: โ€žTech for the Common Good: How Can Europe Lead the Next AI Wave?"

Yoo erรถffnete mit einer Anekdote: Ein australischer Wissenschaftler namens Paul, dessen Hรผndin Rosie an Krebs erkrankte, fรผtterte ChatGPT mit der Tumorstruktur seines Tiers. Gemeinsam mit der KI entwickelte er eine personalisierte Behandlung โ€“ innerhalb eines Monats schrumpfte der Tumor um 35 Prozent.

Der Punkt war nicht: Schau, was KI kann. Der Punkt war: Paul stellte eine Frage, die er ohne KI nie hรคtte stellen kรถnnen. Er wurde zu einem Menschen, der er vorher nicht war. Und schaffte etwas als Individuum, was sonst nur mit jahrzehntelanger Forschung und Institutionen mit viel Geld vorbehalten war.

Genau daraus entwickelte Yoo die Unterscheidung, die mich diese Woche nicht mehr loslรคsst.

Staubsauger-KI vs. Gerรผst-KI

Yoo unterscheidet zwischen zwei grundsรคtzlichen Architekturen, mit denen Technologie heute gebaut wird:

Vacuum Cleaner AI (Staubsauger-KI). Sie putzt fรผr dich. โ€žWenn der Staubsauger nicht verfรผgbar ist, fรคllst du zurรผck auf dein altes Ich", sagte Yoo sinngemรครŸ. Dein marginaler Wert der Zeit verรคndert sich dadurch nicht โ€“ in vielen Fรคllen sinkt er sogar, weil du verlernst, selbst zu putzen. Die meisten kommerziellen KI-Tools sind genau das: Sie lassen dich schneller E-Mails schreiben, schneller Dokumente bauen, schneller Folien produzieren. Aber sie machen dich nicht zu einem besseren Denker, Schreiber oder Strategen. Du bist am Ende derselbe Mensch, nur mit weniger Zeitdruck.

Scaffolding AI (Gerรผst-KI). Sie hilft dir, einen Ort zu erreichen, den du allein nie erreicht hรคttest. Die Technologie lรคsst dich wachsen, statt dir nur Arbeit abzunehmen. Die Metrik dafรผr, sagt Yoo, ist nicht Geschwindigkeit, sondern der marginale Wert deiner Zeit โ€“ wรคchst er mit jeder Nutzung, oder bleibt er stehen?

Das ist fรผr mich der Kern: Die Frage ist nicht, ob du KI nutzt. Die Frage ist, ob deine KI dich putzt โ€“ oder dich auf ein Gerรผst stellt, von dem aus du weiter siehst als vorher.

Es geht nicht um schnellere PowerPoints

Genau hier landen die meisten Unternehmen im Mittelstand in der Staubsauger-Falle. Die KI wird eingefรผhrt, um bestehende Prozesse zu beschleunigen: schnellere Reports, schnellere Prรคsentationen, schnellere Antworten auf Kundenmails. Alles wird flotter. Aber niemand stellt sich die eigentliche Frage: Welche Fragen konnten wir uns vorher gar nicht leisten zu stellen โ€“ und kรถnnen wir sie jetzt stellen?

Paul stellte mit Hilfe von KI eine Frage, die vorher exklusiv den besten Krebsforschern der Welt vorbehalten war. Das ist Gerรผst-KI in Aktion. Die รœbersetzung fรผr euer Unternehmen: Wo nutzt ihr KI, um zehn Prozent schneller das Gleiche zu tun โ€“ und wo nutzt ihr sie, um eine Frage zu stellen, die euch vor zwei Jahren noch nicht eingefallen wรคre, weil die Antwort darauf zu teuer oder zu aufwendig gewesen wรคre?

Warum digitale Identitรคt die Grundbedingung ist

Der zweite Teil von Yoos Vortrag drehte sich um etwas, das ich seit Monaten predige, aber selten so klar gehรถrt habe: Damit Gerรผst-KI funktioniert, brauchst du Kontrolle รผber deine eigene digitale Identitรคt.

Yoo nennt das โ€žcomputational sovereignty" โ€“ digitale Souverรคnitรคt. Nicht nur Kontrolle รผber deine Daten (das ist, was die GDPR/DSGVO versucht), sondern Kontrolle รผber die Rechenleistung, mit der aus diesen Daten Wert entsteht. Seine pointierte Kritik an der DSGVO: Gute Absicht, aber unvollstรคndig. โ€žKontrolle รผber deine Daten zu haben, erzeugt fรผr dich allein noch keinen Wert. Daten sind ein Input. Du musst auch die Mรถglichkeit haben, mit Rechenleistung selbst Wert daraus zu schaffen."

Fรผr Yoo ist das der Grund, warum Europa hier eine echte Chance hat, statt nur Nachzรผgler zu sein: Die europรคische Tradition stellt Menschenrechte und Menschenwรผrde seit Jahrzehnten ins Zentrum des Diskurses. Die Aufgabe ist nicht, KI zu regulieren, bis sie ungefรคhrlich ist. Die Aufgabe ist, KI so zu bauen, dass sie Menschen wachsen lรคsst โ€“ mit der eigenen digitalen Identitรคt als Fundament, nicht als Verhandlungssache mit einem Tool-Anbieter.

รœbersetzt fรผr euch als Unternehmer:innen: Wem gehรถren die digitalen Identitรคten eurer Mitarbeitenden und Kunden eigentlich โ€“ wirklich? Dem Tool, das ihr lizenziert? Oder bleibt sie bei den Menschen selbst, die dann souverรคn entscheiden, wofรผr sie genutzt wird?

Geliebt werden โ€“ oder liebenswert sein?

Yoo schloss seinen Vortrag mit einem Adam-Smith-Zitat โ€“ allerdings nicht aus โ€žWohlstand der Nationen", sondern aus dem viel weniger zitierten โ€žTheory of Moral Sentiments". Smith schrieb:

Der Mensch wรผnscht sich nicht nur, geliebt zu werden, sondern liebenswert zu sein.

Yoos Punkt: Die meiste KI heute optimiert uns auf das Erste. Sie hilft uns, E-Mails zu schreiben, die gemocht werden. Posts, die geteilt werden. Sie optimiert fรผr Reaktion, nicht fรผr Substanz. Aber sie hilft uns nicht automatisch, liebenswerter zu werden โ€“ also tatsรคchlich vertrauenswรผrdiger, klรผger, nรคher an den Menschen, mit denen wir arbeiten.

Das ist exakt die Brรผcke zu meinem LinkedIn-Post von gestern. Vor KI war die Logik: mehr Content, mehr Reichweite, mehr Likes โ€“ also: geliebt werden, in Yoos Worten. Jetzt, wo das jeder kann, wird das, was wirklich zรคhlt, wieder das Unskalierbare: echte Rรคume, echte Gesprรคche, echtes Vertrauen. Liebenswert werden, nicht nur geliebt werden.

Vielleicht ist das die unternehmerischste รœbersetzung von โ€žHuman Connection in the World of AI", die ich diese Woche gehรถrt habe.

Deine Reflektionsfragen fรผr diese Woche

  1. Welche KI in deinem Unternehmen ist Staubsauger, welche ist Gerรผst? Wo wรคchst der marginale Wert der Zeit deines Teams wirklich โ€“ und wo bleibt er stehen, sobald das Tool ausfรคllt?

  2. Welche Frage hรคttest du dir vor zwei Jahren nie gestellt, weil die Antwort zu teuer oder zu aufwendig war? Stellst du sie dir heute, weil KI dir den Raum dafรผr gibt?

  3. Wem gehรถrt die digitale Identitรคt deiner Mitarbeitenden und Kunden in euren Systemen wirklich โ€“ euch, ihnen, oder dem Tool-Anbieter?

  4. Wenn du dein Geschรคftsmodell bisher auf โ€žschneller, mehr, gรผnstiger" gebaut hast: Was wรคre die unskalierbarste, menschlichste Version davon โ€“ und was wรคre sie dir wert?

  5. Optimierst du gerade dafรผr, geliebt zu werden โ€“ mehr Reichweite, mehr Tempo, mehr Output? Oder dafรผr, liebenswert zu sein โ€“ mehr Vertrauen, mehr Substanz, mehr Wachstum?

Ich nehme diese Fragen selbst mit ins nรคchste Strategy-Meeting.

Work smart, not hard. Deine Laura

PS: Du hast in dem Text gemerkt, dass es wieder Updates gibt, von denen auch ich noch nichts weiรŸ? Schreib mir eine E-Mail. Und: Teile diesen Newsletter mit anderen Smart Chiefs. Noch immer made by humans โค๏ธ

๐Ÿš€ Smart Links

๐Ÿ“ Das Netz hat unsere Gefรผhle lรคngst komplett im Griff! Das Buch โ€žAll The Feelsโ€œ enthรผllt jetzt den genialen Rettungsplan, wie wir die Kontrolle รผber unser digitales Herz zurรผckholen und die Maschinen fรผr uns nutzen.

๐Ÿชž Vanity-Check: Dieses unterhaltsame neue Tool hilft dir herauszufinden, ob du wichtig genug bist, um direkt in den Trainingsdaten moderner KI-Modelle verankert zu sein. Schau nach, ob dein Name hier auftaucht. (Hier kommt mein Ergebnis - ausbaufรคhig, haha.)

๐Ÿ“‘ Persรถnliches Wiki: Was wรคre, wenn jeder Artikel, jedes Transkript, jedes PDF und jede Notiz, die du jemals gelesen hast, Teil eines durchsuchbaren โ€žzweiten Gehirnsโ€œ wรผrden? Dieser Workflow von Andrej Karpathy geht gerade viral - und zeigt dir genau, wie das funktioniert.

๐ŸŽ‚ Geburtstagskarte: Dieser Prompt hilft dir, in Sekundenschnelle super unvergessliche Geburtstagskarten zu erstellen โ€“ nur mit einem Foto und ChatGPT-Bildern.

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