Willkommen an die 92 neuen Smart Chiefs, die diesen Newsletter neuerdings lesen. Viel Spaß!
Hello Smart Chiefs,
wir sprechen viel davon, was Künstliche Intelligenz kann. Und ich sag’s dir, in diesen 10 Minuten habe ich sie wirklich geliebt: Wir haben Claude letztens gebeten, sich durchs gesamte Internet zu wühlen und alle widersprüchlichen Aussagen zusammenzutragen, die über meine eigene, persönliche Marke kursieren.
Vor KI hätte das locker einen halben Arbeitstag bedeutet.
Diesmal haben wir auf dem Sofa gesessen und eine Runde meditiert.
Genau in dem Moment, in dem ich Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen wollte, hing sich eine Wolke in meinem Kopf fest, die ein kleines Gewitter verursachte: Habe ich vielleicht bald endlos Zeit zum Meditieren — weil KI verdammt noch mal vieles besser und schneller kann? Und worauf sollte ich mich als Mensch, als Unternehmerin, jetzt überhaupt noch fokussieren?
Heute im Smart Chiefs Newsletter:
Warum "Community" gerade das meistmissbrauchte Wort im Marketing ist – und die fünf Regeln, an denen du echte Verbindung von bloßem Publikum unterscheidest
🚀 5 Smart Links der Woche
Ein Chalet-Tipp, um den Kopf frei von KI zu kriegen.
Und wie immer eine kurze Umfrage, wie dir der Newsletter heute gefallen hat. Merci.
Work smart, not hard.
Deine Laura
Was ein methodistischer Prediger, Nelson Mandela und Harley-Davidson gemeinsam haben
Die Frage passt gerade besonders gut, weil ich nicht die Einzige bin, die sie stellt. Für einen Vortrag bei einer großen Automarke bin ich tief in die Geschichte der Communitys abgetaucht. Thema: Was verbindet Menschen wirklich, wenn Ausführen, Produzieren, sogar strategisches Denken für so gut wie jeden zugänglich wird? Meine eigene Antwort hat mich selbst überrascht: echte Verbindung, und zwar zwischen Menschen. Nicht zwischen Mensch und Marke.
Für den Vortrag bin ich tief in die Geschichte gestiegen, weil ich wissen wollte: Wie hat man eigentlich schon vor der KI-Zeit geschafft, dass sich sehr viele Menschen wirklich verbunden gefühlt haben? Ich bin unter anderem bei John Wesley gelandet, dem Begründer der methodistischen Bewegung im 18. Jahrhundert.
Er hat seine Anhänger:innen nie als große Masse organisiert, sondern in winzige "Class Meetings" zerlegt, die sich wöchentlich trafen.
Fast alle Leiter dieser Gruppen waren Laien, keine ausgebildeten Prediger.
Und wer Zutritt zu den großen Versammlungen wollte, brauchte ein Ticket aus seiner kleinen Gruppe. Zugehörigkeit musste man sich verdienen, bevor man Teil der großen Bewegung wurde.
Ganz anderer Kontext, gleiches Muster: Nelson Mandela.
Als der ANC verboten wurde, organisierte er den Widerstand über den sogenannten "M-Plan", viele kleine, lokal geführte Zellen statt einer sichtbaren Masse.
Verbunden waren sie nicht durch Nähe oder Kontrolle, sondern durch eine gemeinsame Erzählung: Radio Freedom sorgte dafür, dass alle im übertragenen Sinn aus demselben Buch lasen, immer mit demselben Kampflied eingeleitet.
Und dann Harley-Davidson und CrossFit. Beide zentral markenrechtlich geschützt, aber lokal komplett eigenständig geführt, mit eigenem Chapter-Präsidenten, eigenem Treffpunkt, eigenem Rhythmus.
Coca-Cola hat einen anderen Hebel genutzt, gar keine Zellstruktur, sondern geteilte emotionale Rituale: 2011 ersetzte die Firma in über 120 Ländern das klassische Logo auf den Flaschen und Dosen durch Vornamen, Spitznamen oder Kosenamen. Das Ziel war es, Konsumenten dazu zu ermutigen, die Getränke mit Freunden, Familie oder auch Fremden zu teilen und so soziale Verbindungen zu schaffen.
Vier vollkommen unterschiedliche Kontexte. Ein Muster, das sich stur wiederholt: nie eine große Gruppe, sondern viele kleine Zellen. Führung, die delegiert statt zentralisiert wird. Ein Ritual, ein starkes Narrativ. Ein Symbol, das Zugehörigkeit sofort sichtbar macht, sei es ein Ticket, ein Lied, eine Dose.
Come for the Utility, Stay for the Unity
Ich habe diesen Rahmen an meinem eigenen Retreat gegengelesen, weil ich mir selbst nichts vormachen wollte. Menschen kommen zu Smart Chiefs wegen KI, das ist der Nutzwert, der sie anzieht. Aber wenn ich Teilnehmer:innen danach frage, was ihnen am meisten gebracht hat, ist es fast nie KI. Es sind die Menschen im Raum.
Daraus habe ich mir eine Formel abgeleitet: Come for the Utility, Stay for the Unity. Utility, also Content, Tools, Nutzen, ist genau das, was KI heute schon reproduzieren kann. Fünf Minuten Zeitinvest, und du bekommst zehn brauchbare Optionen. Das Gefühl von Zugehörigkeit zu anderen Menschen kann sie nicht liefern. Sobald sich Mitglieder gegenseitig als "einer von uns" erkennen, hängt die Bindung nicht mehr an der Marke, sondern an der Gruppe selbst. Das kann dir kein Klon mit besserem Content abgraben, so gut das Tool auch wird.
Der Community-Forscher David Spinks, der jahrelang Marken und Gründer:innen beim Aufbau echter Communities begleitet hat, bringt es in seinem Buch "The Business of Belonging" so auf den Punkt: Community-Design braucht bewusst inszenierte Höhepunkte, nicht nur laufenden Alltag, und vor allem Wiederholung. Wiederkehrende Formate schlagen Einmal-Events.
Aber: Es gibt auch die WeWork-Falle
Bevor du jetzt denkst, dass es reicht, das Wort "Community" öfter zu benutzen: genau das ist die Falle, in die WeWork getappt ist. Adam Neumann positionierte sein Unternehmen nie als Immobilienfirma, sondern als "physisches soziales Netzwerk". Mieter wurden "Mitglieder" genannt, Kolleg:innen im Büro Teil einer "Community", das erklärte Ziel lautete „to elevate the world’s consciousness" – das Bewusstsein der Welt zu erheben. Am Ende war das Geschäftsmodell trotzdem pure Immobilien-Arbitrage, lange Mietverträge einkaufen, kurzfristig teurer weitervermieten. Die Community-Sprache war ein Branding-Layer über einem reinen Renditemodell. 2023 stand die Insolvenz.
Was das für dich bedeutet, wenn du gerade über KI-Budget entscheidest
Für die meisten Mittelständler, die ich kenne, läuft KI-Investition aktuell in eine Richtung: mehr Content, schneller, günstiger, in der Hoffnung, mehr Reichweite zu erzielen. Das ist nicht falsch. Aber es ist die austauschbare Ware, nicht die unkopierbare. Die eigentliche Führungsfrage lautet nicht "wie erreichen wir mehr Menschen", sondern "wo verbinden sich meine Leute, meine Kund:innen oder mein Team untereinander, ohne dass ich im Raum stehe". Wenn die ehrliche Antwort "nirgends" lautet, hast du kein Netz, sondern ein Publikum mit Kundennummer.
Und hier wird es unbequem, weil der zweite Teil der Antwort Kontrolle kostet. Jede echte Zelle in der Geschichte hatte delegierte Führung, nicht zentrale. Für ein Unternehmen heißt das: lokale Verantwortung zulassen, mit dem Risiko, dass nicht jede Nachricht auf Markenlinie ist.
Beispiel: Ein Hersteller von Profi-Handwerkszeug erstellt weniger Content, baut aber eine geschlossene WhatsApp-Gruppe oder ein Discord-Forum für selbstständige Dachdecker auf. Dort tauschen sich die Handwerker abends um 21 Uhr untereinander aus: „Hey, ich hab hier ein Problem bei Dachneigung X, wie habt ihr das gelöst?" Der Hersteller hat die Plattform gebaut, steht aber nicht permanent "mit im Raum".
Die Kunden helfen sich selbst und sind emotional unkündbar an die Marke gebunden.
Das ist der Punkt, an dem die meisten aussteigen, weil er sich nach Kontrollverlust anfühlt. Ist er auch. Genau deshalb funktioniert es aber. Führung heißt hier eher Gärtnerin als Schraubenzieherin. Du bereitest den Boden, du gibst Licht, du erzwingst das Wachstum nicht selbst.
KI hat in diesem Bild eine klare, aber aus meiner Sicht begrenzte Rolle: sie schafft die Infrastruktur, um Beziehung zu verstärken, aber sie schafft keine Verbindung per se.
Sie kann beispielsweise:
im Hintergrund erkennen, welche zwei Menschen sich gerade wirklich etwas zu sagen hätten,
Gruppenleiter:innen ohne Moderationserfahrung Struktur geben,
still werdende Mitglieder markieren, bevor sie ganz verschwinden. Aber die Nachricht, das Gespräch, das "ich hab an dich gedacht" muss von einem Menschen kommen. Sobald KI das übernimmt, kippt aus Verbindung wieder Utility.
Der Unternehmer-Takeaway: Bevor du die nächste KI-Investition freigibst, prüf sie an diesen vier Punkten:
Wo in deinem Unternehmen oder Netzwerk verbinden sich Menschen wirklich miteinander, ohne dass du im Raum stehst, und wo lautet die ehrliche Antwort "nirgends"?
Traust du dich, Kontrolle abzugeben, damit vor Ort echte Verantwortung entsteht, auch wenn nicht jede Nachricht auf Linie ist?
Was kostet es aktuell wirklich, zu deinem Team, deinem Kund:innenkreis oder deinem Netzwerk zu gehören, und ist das genug, um echte Bindung zu erzeugen?
Welche KI-Entscheidung steht bei dir gerade an, bei der du zwischen mehr Reichweite und echter Verbindung wählen musst?
Schreib mir zurück: Wo verkaufst oder lieferst du in deinem Unternehmen gerade vor allem Utility, die morgen jeder Bot genauso liefert, und wo baust du wirklich Unity? Ich bin sehr gespannt auf deine Antwort.
Work smart, not hard.
Deine Laura
PS: Du hast in dem Text gemerkt, dass es wieder Updates gibt, von denen auch ich noch nichts weiß? Schreib mir eine E-Mail. Und: Teile diesen Newsletter mit anderen Smart Chiefs. Noch immer made by humans ❤️
🚀 Smart Links
📘 Das Buch hinter dem heutigen Rahmen: David Spinks' „The Business of Belonging" – der Community-Vordenker, auf dessen Prinzipien sich die fünf Fragen von oben stützen. Nicht neu, aber genau deshalb ein guter Zeitpunkt, es endlich zu lesen: Business of Belonging bei Amazon.
🧠 200 Ökonom:innen, 16 Nobelpreisträger:innen, eine gemeinsame Warnung: Das Zeitfenster, sich auf KIs wirtschaftliche Auswirkungen vorzubereiten, schließt sich schneller, als die meisten Unternehmen reagieren können. Mehr bei The Decoder.
💁🏼♀️ Der Drei-Zeilen-Kostencheck: Bevor du das nächste teure Modell freigibst, lass es sich selbst einordnen. Zum Copy-Pasten:
Ich muss das richtige KI-Modell/Tool für diese Aufgabe wählen: [Aufgabe beschreiben]. Klassifiziere nach Aufgabenwert, Fehlerkosten, nötiger Qualität, und ob Tempo oder Genauigkeit wichtiger ist. Empfiehl dann die günstigste sichere Option und erkläre, was ein Upgrade rechtfertigen würde.🤖 Für alle mit Datenschutz-Bauchgrummeln: Osaurus verwandelt deinen Mac in eine Zentrale für KI-Agenten, die sich Dinge merken und automatisieren, komplett offline. Nichts verlässt deinen Rechner: osaurus.ai.
🌱 Eine Gründerin, die dieselbe Beobachtung macht: Ingrid Zapata Read schreibt in ihrem Community-Newsletter, warum KI zwar Workflows automatisieren, aber nie das Gefühl ersetzen kann, wirklich gesehen zu werden, inklusive einer kleinen Wochenübung zum Selbsttest: Community Made.
🏞 Mein Rückzugsort, wenn der Kopf zu voll von KI ist (Anzeige)
Der eigentliche Durchbruch im KI-Bereich passiert bei mir nicht am Bildschirm. Das hab ich vor Kurzem wieder gemerkt, als ich ein paar Tage in den Agrad Chalets in Aschau im Chiemgau verbracht habe. Kein Laptop, keine Deadlines, nur Meditieren, Wandern und zum ersten Mal seit Wochen wirklich Zeit für mich.

Das Chiemgau gehört für mich zu den schönsten Ecken Deutschlands (habe dort einen Großteil meiner Kindheit verbracht), und die Chalets sind der Ort, an dem ich das am liebsten tue. Wenn du merkst, dass dein nächster Durchbruch nicht aus noch mehr Lesen kommt, sondern aus einer Pause: Agrad Chalets kann ich dir von Herzen empfehlen.
Transparenzhinweis: Ich bin immer auf der Suche nach neuen, spannenden Locations für unser Retreat. Das Agrad Chalet habe ich proaktiv angeschrieben und gefragt, ob ich dort übernachten darf, weil ich die Fotos schon auf Instagram beeindruckend fand. Hinter dieser Empfehlung stehe ich zu 100 %. 🙂
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